Warum große Unternehmen nicht nur auf große Agenturen setzen sollten

Große Agenturen profitieren bei der Auftragsvergabe häufig von ihren Auszeichnungen, den etablierten Strukturen, sowie der internationalen Anerkennung, die sie sich über viele Jahre mühselig aufgebaut haben. Gegenüber den kleineren, eher unbekannten Agenturen, die weniger Mitarbeiter zählen und somit auch nicht jeden Kundenwunsch aus eigener Hand anbieten können, sind die Big Player in unserer Branche daher oft die sichere Wahl bei der Vergabe von Full-Service Aufträgen. Aber wie viel »Full« steckt heutzutage realistisch betrachtet noch hinter dem »Service«, und können kleine Agenturen bei großen Projekten vielleicht doch mithalten?

Die richtige Agentur zu finden, kann der Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleichen. Welchem gestressten Marketingmanager kann man es da schon verübeln, wenn er sich für sein Projekt lieber direkt an eine große, namhafte Agentur wendet, anstelle zich Webseiten kleinerer Dienstleister im Netz zu durchforsten, Angebote einzuholen und deren Leistungen zu vergleichen, die auf dem Papier ohnehin nur schwer zu vergleichen sind. Dann doch lieber auf Nummer Sicher gehen, denn schließlich sollte die größe der Agentur der größe des Projektes entsprechen – oder doch nicht? 


Wenn du uns das erste Mal besuchst, wirst du nicht am Empfang in die Warteschleife gesetzt, sondern von einem Mitglied unseres Teams begrüßt. An unseren Wänden werden dir keine Auszeichnungen präsentiert, sondern der aktuelle Stand unserer täglichen Arbeit. Dein Kaffee wird dir noch von unserer Geschäftsführerin gebracht und mit einem freundlichen »Du« beginnt unsere Geschäftsbeziehung.


Je größer ein Unternehmen ist, desto mehr Prozesse regulieren die täglichen Abläufe, welche zusätzlich durch bürokratische und organisatorische Notwendigkeiten an Flexibilität und Effizienz verlieren. Eine kleine Agentur, die nicht an etablierte Strukturen gebunden ist, kann mit ihren flexibleren Modellen mitunter sehr viel individueller auf Situationen eingehen und schneller agieren. So ist es nicht verwunderlich, dass Projekte nicht nur aus wirtschaftlichem Interesse heraus häufig deutlich schneller fertig werden und dabei sogar kostengünstiger sind. Aber warum geben dann die große Unternehmen ihre Budgets dennoch lieber an große Agenturen? 


Neben den Urbedürfnissen wie Sicherheit und Vertrauen spielt auch der Preis eine signifikante Rolle. Nun mag man meinen, da große Unternehmen wirtschaftlich agieren müssen, würden sie sich automatisch immer für das günstigste Angebot entscheiden. Für überschaubare, kleinere Projekte mag dies auch der Fall sein, allerdings nicht sobald es um die wirklich großen Fische geht. In einer freien Marktwirtschaft gelten Preise für bestimmte Produkte irgendwann als etabliert. Jeder akzeptiert, dass das iPhone einen stolzen Preis hat, denn wir assoziieren die starke Marke dahinter mit Qualität. Würde morgen ein iPhone auf den Markt kommen, das plötzlich nur noch die Hälfte oder sogar nur ein Drittel kostet, denken wir sofort an »billig«. Großen Unternehmen sind die Preise der großen Agenturen vertraut, sie erwarten regelrecht die hohen Projektkosten, den ganzen Tamtam, die Meetings mit 8 Agenturmitarbeitern die alle je Stunde bezahlt werden, die täglichen Streicheleinheiten und VIP-Gesten, sowie kalkulierte Aufwände, die am gesunden Menschenverstand zweifeln lassen. Denn alles was günstiger ist als das Gewohnte kann ja nur schlechter sein. Dabei beweisen kleine Spezial-Agenturen, die auf ihrem jeweiligen Fachgebiet ausgewiesene Experten sind und sich stets am Puls der Zeit bewegen, was Trends und Entwicklungen betrifft, tagtäglich, dass richtig gut nicht gleich richtig teuer sein muss. 


In kleinen Agenturen werden Projekte nicht nach der initialen Designphase an weniger erfahrene Kollegen oder Praktikanten abgegeben. Kleine Agenturen beschäftigen überwiegend erfahrene Spezialisten, da sie sich gar keine günstigen Anfänger leisten können. Sie leben hauptsächlich von Empfehlungen, deshalb setzen sie auch alles daran, dass Projekte erfolgreich sind. Projekte werden durchweg von einem kleinen Team an erfahrenen Mitarbeitern bis zum Abschluss begleitet. Jeder weiß, was der andere gerade macht und warum. Auch die Loyalität und Wertschätzung dem Kunden und seinem Projekt gegenüber, ist in kleinen Agenturen eher größer, da sie ehrlich daran interessiert sind, Unternehmen beim Wachstum zu helfen und bestenfalls eine langjährige Geschäftsbeziehung aufzubauen. Sie integrieren sich besser und werden so zu einem Teil der Unternehmens-DNA. 


Natürlich sind große Projekte ressourcenintensiv. Es ist eine menge Expertenwissen notwendig um heutzutage Projekte erfolgreich und nachhaltig realisieren zu können. Kleinen Agenturen fehlt es hier häufig an der besagten Manpower, was viele große Unternehmen bei ihren Entscheidungen zurückschrecken lässt. Die Anzahl der Mitarbeiter sollte heutzutage allerdings kein Ausschlusskriterium mehr darstellen. Auch jede noch so große Agentur greift auf externe Partner und Services von Drittanbietern zurück und lagert ganze Projektbereiche aus, um dem Gedanken des »Full-Service« noch gerecht werden zu können. Für den Kunden ist schlussendlich nur entscheidend, dass die Leistung aus einer Hand kommt und er nicht auch noch mit aufwändiger Koordination der einzelnen Gewerke beschäftigt ist.


In unserer Branche wird häufig von Vertrauen gesprochen und wie wichtig Vertrauen für eine gesunde Geschäftsbeziehung ist. Leider verlieren deutsche Agenturen nach aktuellen Forsa-Umfragen bereits seit Jahren das Vertrauen ihrer Kunden. Das Image ist bröckelig geworden. Auszeichnungen in den Vitrinen großer Agenturen können dieses Vertrauen nicht zurückgewinnen. Trotz ihrer Größe und Kapazitäten können Deadlines häufig nicht eingehalten werden (aktuelles Beispiel: Corona-Warn-App). Unter dem Deckmantel der agilen Arbeitsweise und in Kombination mit schlechter Planung werden Projekte zu kleinen finanziellen Atombomben, die ihre giftige Strahlung auf die gesamte Branche verteilen und allgemeines Misstrauen säen. Es gibt leider immer weniger ehrliche Agenturen da draußen, die das Vertrauen der Kunden auch wirklich verdienen und auch in großen Unternehmen findet mittlerweile ein gewisses Umdenken statt.  


Natürlich ist nicht alles Gold was glänzt, aber die Kleinen sind auf dem Vormarsch. Die Kunden schätzen die kürzeren Kommunikationswege, den positiven Drive, die direkten Ansprechpartner mit fundiertem Expertenwissen und den Respekt, die ihnen die kleinen Agenturen entgegen bringen. Geografische Nähe ist dabei nicht länger notwendig für eine erfolgreiche Geschäftsbeziehung – gerade in Zeiten von HomeOffice und flexiblen Arbeitsplatzmodellen, entdecken Kunden die neue Nähe zu ihren Agenturen, indem man sich zum Beispiel spontan im Videochat zu offenen ToDos oder Ideen austauscht. 


Fazit: Jede große Agentur hat mal klein angefangen. Nicht die Größe oder die Anzahl der Mitarbeiter ist entscheidend, sondern die Kreativität, die individuelle Erfahrung und die Motivation die jeder Einzelne in das Projekt einbringt. Große Agenturen bieten zwar ein breitgefächertes Angebot, kleine trumpfen dafür häufig mit tiefgreifender Fachkenntnis und einer ordentlichen Portion Leidenschaft auf. Nicht selten sind es die talentiertesten unserer Branche, die früher oder später ihre eigenen Agenturen gründen. In diesem Sinne: Dream big!